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Überstunden-Sieg im Schwabenland

mit zwei Sätzen zum Vergessen

2. Volleyball-BL: TG Allianz Stuttgart – VC Oshino Eltmann 2:3 (25:21, 20:25, 16:25, 7:15)

Stuttgart (romü) Nach mehr als zwei Stunden harten Kampf hatten die Oshino-Volleys die gastgebenden Stuttgarter niedergerungen, spielten lediglich im dritten Satz und im Tie Break meisterlich. Die Schwaben, derzeit auf dem vorletzten Platz, warfen alles in die Waagschale, zeigten vor 120 Zuschauern echte Kämpferqualitäten und ernteten Beifall von ihren Fans.

Milan Maric sah man nach dem Spiel die Unzufriedenheit förmlich an, und er kündigte an, dass man das Spiel im Training wegen der Leichtsinnsphasen auswerten müsse.
„Wir haben nicht wie ein Aufstiegs-Kandidat gespielt, aber die Stuttgarten haben bis zum letzten gekämpft. So etwas hatte ich erwartet, von meiner Mannschaft allerdings in zwei Sätzen mehr.“
Tim Schoene, der Stuttgarter Trainer mit dem Doktortitel hatte einen Tie Break-Punkt, und mehr erreicht, als er vorher gehofft hatte, war dennoch enttäuscht.

Glücklich war an diesem Abend lediglich der Stuttgarter in Diensten der Eltmanner, Youngster, Timo Schippmann. Seine kämpferische Leistung in den Sätzen drei bis fünf brachte ihm in seiner Heimatsstadt die erste MVP-Goldmedaille und Achtung ein.

Das Match begann standesgemäß mit einer 3:1-Führung im Auftaktsatz, als Mircea Peta erste Duftmarken setzte. Doch die Stuttgarter um Universialspieler Manuel Harms wehrten sich gemäß ihrer eigenen Spielvorschau nach dem Motto: „Wir haben nichts zu verlieren und werden alles geben!“

Ein Spiel, wie es sich die Zuschauer wünschen. Dramatik, Spannung, Auf- und Abwinde, Kunstflüge und Fastabstürze. Die, die den Meister bezwangen, sind in jedem Fall im Aufwind.

Es blieb stets eng, die Mannen um Eltmann-Kapitän Sebastian Richter konnten mehrfach Führungen der Gastgeber ausgleichen (12:12, 14:14, 16:16). Heriberto Quero fehlte diesmal leider wegen Krankheit.
Die Stuttgarter erspielten sich dann dank ihrer Hallendecke und einiger Top-Aktionen von Harms (1) erneut eine Führung, lediglich ein Ass von Hansi Nürnberger ließ die Flugkünstler aus Eltmann nochmals auf 20:19 verkürzen. Doch dann sorgten die Antenne und zwei starke Blockaktionen der Allianz-Volleyballer für einen von Beifall begleiteten 25:21-Satzerfolg – was erste bedenkliche Blicke von Milan Maric bewirkte.

Im zweiten Satz dann knappe Führungen für Eltmann, Johnny Engel feuerte aus allen Rohren, knallte den Ball allerdings zweimal in der gegnerischen Block. Man sah einige hart umkämpfte Ballwechsel und Schippmann hatte sehenswerte Aktionen, so zum 16:16 und 16:17. Peta und der Oshino-Block, diesmal war die Antenne Verbündeter der Gäste, sorgten für eine 19:24-Führung der Volleyballer vom Main. Ein verschenkter Dankeschönball ließ bei Stuttgart nochmal Hoffnung aufkommen, doch bei Musikklängen aus „Dirty dancing“ versenkte Richter hammerhart den Ball nach fast einer Stunde zum Satzausgleich.

Dann leitete ein Peta-Ass den dritten Satz und die stärkste Phase des Tabellenführers ein. Alles gab es da zu sehen: Blockaktionen, Antennentreffer, Top-Ballwechsel, artistische Abwehraktionen von Max Kolbe, aber auch Chudowa, und lupenreine Aufschlag-Asse von Peta und Schippmann . Eltmann zog souverän und schnell auf 6:16 davon. Die Miene des Trainers hellte sich auf. Poluga und Richter hatten gute Szenen, letzterer präsentierte, von ihm selten gesehen, einen seiner Softball-Lupfer, und klar mit 16:25 war der zweite Gewinnsatz im Sack.

Wer nun dachte, es laufe beim Tabellenführer alles nach Plan, sah sich getäuscht. Eltmann hatte in Satz Nr. 4 mit 0:5 zwar einen Super-Start, doch plötzlich holte Stuttgart auf, profitierte von zwei vakanten Entscheidungen und glich zum 8:8 aus. Dank Hinsken (14), Harms und Libero Chudoba (Nr. 17, als bester Stuttgarter geehrt) erspielte sich Stuttgart einen 16:13-Vorsprung. Die Fans waren begeistert, und Trainer Tim Schöne trieb seinen Mannen ständig nach vorne, er glaubte, förmlich eine in der Luft liegende Sensation zu riechen. Der Satz war gekippt, die Stuttgarter bejubelten trotz eines Poluga-Asses mit 25:21 einen weiteren Triumph, erkämpften sich das recht auf den fünften Tie break-Satz.

Einen Satz hatten laut Ankündigung die Gastgeber gewinnen wollen, nun hatten sie zwei und damit den ersten Punkt auf der Habenseite. Vielleicht spielte dabei eine Rolle mit, dass man in der Halle mit allen Mitteln kämpfte. Jochen Huber, Vater eines TSV-Jugendspielers, selbst mit 2 m Körpergröße gesegnet, zeigte, dass er nicht von ungefähr der Chef der Balljungen und Wischer ist. Er wischte selbst mit dem Mob nach jeder Unterbrechung, verkörperte quasi die Schwaben-Power, wischte die Zweifel vom Spielfeld, hoffte wie alle Stuttgarter Fans auf die Sensation.

Milan Maric seinerseits forderte von seinen Oshinos nun eine meisterliche Leistung im Tie Break ein. Die Akteure um Kapitän Richter erinnerten sich auch plötzlich daran, dass sie gut Volleyball spielen können. Nach wenigen Minuten stand es dank Peta, Schippmann, Poluga und des Blocks 1:6 und 2:7. Aufgeschreckt vom vierten Satz mit den vielen vergebenen Dankeschönbällen zog Eltmann auf 4:10 und 6:12 davon. Einige herrliche Ballwechsel zeugten davon, dass es trotz des nun klaren Rückstandes im 5. Satz bei einigen Aktionen berechtigt Beifall der Stuttgarter für ihre Jungs gab, manche Punkte waren echt hart umkämpft.

Doch Peta, Richter und Youngster Schippmann, der den zweiten Matchball, symbolisch nach seiner Top-Leistung veredelte, spulten ihr Programm ab, denn eine Niederlage wollten sie gar nicht.

Es war aus Eltmanner Sicht im Schwabenland ein hartes Stück Arbeit, die Miene von Milan Maric entspannte sich erst nach Minuten. Dann ging man essen und feierte Timons MVP-Goldmedaille.

VC Oshino Eltmann: Poluga, Novak, Engel, Peta, Richter, Kolbe; Krüger, Nürnberger, Schippmann, Welter, Kellermann, Werner, Bitsch; Trainer Milan Maric, Co. Michaela Mahr

Rolf Müller

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