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Die Bärenfalle schnappte doch zu

2. Bundesliga Volleyball: VC Oshino Eltmann – TSV Grafing 3:0 (25:23, 25:18, 25:21)

Eltmann. Bei der Zielsetzung gegen die Grafinger, die sich gern selbst als die aus der Bärenhöhle bezeichnen, kam der Spitzereiter aus Eltmann zu einem 3:0-Sieg, feierte den 50. Gewinnsatz der Saison und damit den 16. Saisonsieg aus 18 Spielen. Die Oshino Volleys Eltmann haben damit 47 Punkte erreicht. Die Motivation für das nächste Spiel dürfte sein, nach dem 50. Gewinnsatz der Saison in Stuttgart den 50. Gewinnpunkt anzuvisieren. In der 2. Bundesliga Nord haben mit Mitteldeutschland und Gießen diese Marke schon geknackt.

Die Grafinger hatten sich viel vorgenommen. Ganz befreit kann man in Eltmann aufspielen, man muss sich keinen Kopf machen... ...es geht darum, den künftigen Meister zu jagen. Das haben sie gut gemacht. Ein gutes, spannendes und bewegendes Spiell trotz dem eindeutigen 3:0

In Eltmann sah es aber anfangs gar nicht nach einem Erfolg aus, denn Grafing machte das, was man in der Vorschau angekündigt hatte: Wir haben nichts zu verlieren und werden Eltmann mit der der Philosophie ihres eigenen Trainers bezwingen und im ersten Satz gleich den Überraschungscoup landen. Es hätte fast geklappt, denn die Jungs von Trainer Alexander Hezarin legten wie die Feuerwehr los, zogen bis auf 4:9 davon, und hielten wenig später den Vorsprung, als ein Lupfer am Block vorbei den Punkt zum 5:10 brachte.

Beeindruckend in dieser Phase der Grafinger Diagonalangreifer Simon Kürzing, mit starken Druckvollen Aufschlägen und einer 4er Serie. Merten Krüger machte dann den 6. Oshino-Punkt, und Sven Kellermann kam mit einer martialischen Kampfgeste auf das Feld. Seine erhobene Faust deutete an, dass man sich nicht unterkriegen lassen wollte. Doch das kam erst später mit Verzögerung, denn zunächst beherrschten die Jungs aus der Bärenhöhle die Szene, enteilten auf 10:15.

Die Eltmänner, angefeuert von der Trommler-Batterie des Fan-Club Red Barons, kamen wieder heran. Youngster Timon Schippmann seine Sporen. Er kämpfte um jeden Ball, und erzeugte neben Thiago Welter und dem Aufsteigerveredler Sven Kellermann den größten Druck. Besonders der Punkt zum 16:18 war eine echte Kampfaktion von Schippmann in der Abwehr, der Annahme und im Angriff gleichzeitig. Die Eltmanner Flugkünstler kamen durch ihn zum 23:23, Schippmann besorgte nach herrlichem Zuspiel von Merten Krüger die Führung und die Netzantenne von einem Grafinger angeschlagen, entschied den Satz, war auch diesmal Verbündeter der Hausherren, denn von fünf Antennenpunkten endeten vier mit einem Oshino-Punkt.

Dennoch war nach diesem knappen Satz erst einmal Aufatmen angesagt und wer weiß, wie es geendet hätte, wäre zum Schluss das Glück den Hezareh-Schützlingen hold gewesen.

Unter den 390 Zuschauern, angesichts des Faschingsballs in der Stadt und in anderen benachbarten Orten eine beachtliche Zahl, sah man auch bekannte Coburger Volleyball-Fans. Geli nebst Gatten bemerkte: „Wir müssen uns doch unsere Jungs ansehen, ob es nun Hansi, Sven, Johnny, Nicola, Thiago oder Merten ist, die Verbundenheit ist da, man fühle sich jetzt als Region mit Erstliga-Option.

Im zweiten Satz waren die Oshinos dann auf Betriebstemperatur. Zwar kam Grafing nochmals zu einer 3:5-Führung, als Mircea Peta die Kopfabwehr anwenden musste, denn er konnte dem Ball nicht ausweichen, der ihn mit ca. 100 km/h an der Stirn traf, und ihn richtig wachrüttelte. Eltmann drehte nun auf, und bei Grafing verfingen sich die Gürzing-Hammeraufschläge zunehmend im Netz.  Kellermann veredelte dann einen weiteren Aufsteiger zum 16:10, und die Hangar-Flieger zog gar auf 18:10 und 20:12 davon.

Doch die aus der Bärenhöhle kamen wieder näher, denn nun hatte Zierhut (14) seine Serie und es stand plötzlich nur noch 20:16. Doch Welter und Peta, von Krüger gut in Position gebracht, erzeugten einen Kracher nach dem anderen und Welter mit Triumph-Geste veredelte den Satzball zum 25:18. Im Gespräch mit Pressevertretern lüftete er auch ein Geheimnis, wieso sich die Eltmanner trotz der klaren Tabellenführung bis zum Saisonende immer wieder neu motivieren können. Beim Rotationssystem von Milan Maric pausierten diesmal Kapitän Sebastian Richter, Chris Novak und Johnny Engel, der ja bekannt dafür ist, dass er immer spielen möchte. Welter sagte: „Bei uns gibt es keinen Vollprofis, wie man andernorts vermutet. Alle haben eine Stelle, eine Lehre oder ein Studium. Dennoch haben wir mit Merten Krüger einen mit einer echt professionellen Einstellung. Er gibt im Training, und Milan lässt uns da wenig Freiheiten, immer 110 %. So etwas treibt mich persönlich, auch Heriberto Quero an, auch die anderen, auch immer 100% zu geben, und deshalb sind wir so gut drauf“. Diese Aussage bedarf sicherlich keines Kommentars mehr.

Nach der Pause im Anschluss des 2. Satzes hatten die „Lucky Angels“, diesmal mit Faschingskostümen, ihren Pyramiden-Auftritt, und man sah kostümierte Kinder im Hangar, die, von Micha Barthelmes dirigiert, anfangs mit den Spielern eingelaufen waren.

Der 3. Satz begann mit Highlights, Krüger, ansonst mit kontrollierten Aufschlägen, setzte ein Ass zum 2:0, es gab einige herrliche Ballwechsel mit viel Beifall und Peta drehte so auf, dass es ihm den dritten MVP-Titel -binnen kürzester Zeit einbrachte. Sein Super- Ass zum 15:12 war so Top-Knaller, wie man ihn nun Nationalspieler Robert Kromm oder dem Franzosen Baptiste Geiler (ehemals Friedrichshafen) kennt.

Doch erneut kamen die oberbayrischen Bären heran und nach einem erstligareifen Ballwechsel glichen sie zum 16:16 aus. Während die Antennen zu Verbündeten der Oshino-Volleys Eltmann wurden, half die Hallendecke den Grafingern, die mit ihrer Hilfe nochmals zum 20:19-Anschlußpunkt kamen.
Doch eine Schippmann-Aktion und ein weiteres Ass von Peta sicherten den Hangar-Hausherren den Vorsprung. Doch alle, die an diesem Abend lange oder auch zeitweise spielten, oder im Aufgebot standen, hatten ihren Anteil an der geschlossenen Mannschaftsleistung.

Die Grafinger werden sich dafür nichts kaufen können, doch der erste Matchball löste nochmals einen herrlichen, von Beifall begleiteten Ballwechsel aus, der den Oshinos den Sieg bescherte, aber auch die Hochklassigkeit des Matches trotz des 3:0-Ergebnises unterstrich.

Deshalb äußerte sich Milan Maric nach dem Match so: „Unser Respekt vor Grafing war gerechtfertigt, der 1. Satz war echt vakant. Es war ein Spiel mit hochklassiger Komponente.“
Während Voggenreiter (15), die MVP-Medaille bei Grafing bekam, heimste sie bei Eltmann zum dritten Mal im Jahr 2017 Mircea Peta ein, der bemerkte: „Das Wichtigste heute war, dass wir Spaß hatten und mit dem 3:0 daheim ungeschlagen bleiben, aber es gibt noch wichtige Spiele, die wir erst gewinnen müssen wie in Freiburg und Delitzsch.“

Nächste Woche geht es nach Stuttgart im Schwäbischen, und dort, in seiner Heimatstadt dürfte Timo Schippmann besonders motiviert sein. Rolf Werner, Manager und Vorstand hielt sich etwas im Hintergrund, da in den nächsten beiden Wochen die Entscheidung fallen wird, ob die Sponsoren den Erstliga-Aufstieg wirtschaftlich absichern können.

VC Oshino Eltmann:  Poluga, Kolbe, Welter, Kellermann, Schippmann, Quero, Novak, Engel, Richter, Nürnberger, Werner, Bitsch ; Trainer: Milan Maric, Assistentin Michi Mahr

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